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Kann ich nicht einfach nur die alten Fenster durch neue ersetzen?

Man kann dazu sagen: "Im Prinzip, ja!". Ganz so einfach ist es jedoch nicht: Ohne ein durchdachtes Gesamtkonzept kann der Schuss schnell nach hinten losgehen!

Erinnern Sie sich an früher, wo im Winter das Wasser an den Einscheiben-Fenstern herunterlief, sich in sehr kalten Nächten sogar Eisblumen bildeten – innen, trotz Beheizung? Nun, damals waren die Fenster die mit Abstand kälteste Stelle der Gebäudehülle, quasi ein Indikator, der an das Lüften erinnerte. Und heute? Wenn alles richtig gemacht wurde, sind zwar die Fenster immer noch die kälteste Stelle (also kälter als die Außenwände) aber auf einem wesentlich höheren Niveau. Die Innenoberfläche hat eine Temperatur, bei der bei normaler Luftfeuchte kein Tauwasser mehr ausfällt.

Leider erlebt man in der Praxis jedoch häufig energetisch falsch sanierte Altbauten, bei denen aus Kostengründen auf eine Außenwanddämmung verzichtet wurde, dafür aber teure, hoch wärmedämmende Fenster eingesetzt wurden. Nun ist im Winter nicht mehr das Fenster die kälteste Fläche, sondern die Außenwand. Sprich: das Fenster bleibt trocken, dafür wandert die Feuchte in den Innenputz der Außenwand – mit dem Ergebnis, dass hier irgendwann der Schimmelpilz wächst. Den physikalischen Hintergrund erfahren Sie ebenfalls im Kapitel zur Außenwanddämmung.

Genau aus diesem Grunde muss darauf geachtet werden, dass bei alleiniger Fenstersanierung ohne – auch zukünftige – Außenwanddämmung das Wärmeschutzniveau (genauer: der Wärmedurchgangskoeffizient bzw. U-Wert) der neuen Fenster etwas unter dem der Außenwände liegt. Der gut gemeinte Rat des Fensterbauers zu Fenstern auf Passivhausniveau ist also nicht immer zielführend, und Sie können auf der anderen Seite viel Geld sparen!