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Gedämmte Häuser schimmeln doch, oder?

Richtig ist: Manche Häuser schimmeln. Darunter sind ungedämmte Häuser und auch gedämmte Häuser. Falsch ist jedoch die Annahme, dass eine Außenwanddämmung für Schimmelbildung verantwortlich ist. Im Gegenteil: Eine Außenwand mit gutem baulichem Wärmeschutz verringert das Schimmelrisiko!

Es ist eine einfache Regel der Physik: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. So kann z.B. Luft von 20 °C höchstens 17,29 g/m³, Luft von 0°C dagegen nur höchstens 4,84 g/m³ Wasserdampf aufnehmen. Die relative Luftfeuchte beträgt in beiden Fällen 100%. Wird die kalte Luft aufgewärmt, so nimmt ihre relative Feuchte ab – im Beispiel auf 28%. Wird hingegen die warme Luft abgekühlt, so fällt die "überschüssige" Feuchte, die dann nicht als Wasserdampf gehalten werden kann, als flüssiges Wasser aus: Tauwasser entsteht. Im Beispiel wären das ca. 12,5 g/m³ – in einem 30 m² großen Raum fast 1 Liter!

Übertragen auf ein Gebäude heißt das: Trifft die warme Innenraumluft auf eine kalte Wandoberfläche, so kühlt sie dort ab, und ihre relative Feuchte nimmt zu. Ist die Wandoberfläche sehr kalt, fällt Tauwasser aus und die Wand wird feucht – was zunächst kaum sichtbar ist, aber nach einigen Tagen das Schimmelwachstum begünstigt. Schlimmer noch: Es muss noch nicht einmal Tauwasser ausfallen. Schon ab 80% relativer Luftfeuchte an der Wandoberfläche fühlt sich der Schimmel wohl und kann wachsen!

Gegen Schimmel an der Innenoberfläche der Außenwand hilft also nur eine ausreichend warme Wandoberfläche. Bei einer konventionellen Massivwand lässt sich dies durch eine außen aufgebrachte Dämmschicht erreichen, die den Wärmestrom von innen nach außen begrenzt. Bei Neubauten erreicht man dies auch ohne zusätzliche Dämmung: durch ausreichend dickes, wärmedämmendes Mauerwerk oder durch Massivholzwände.

Fazit: Ein Gebäude mit gutem baulichem Wärmeschutz schimmelt nicht – es sei denn, man schafft durch konsequentes Nichtlüften ein tropisches Gewächshausklima…